"Überleben für Nirmala"
Ein Projekt von Johannes Königer eine Indienhilfe der besonderen Art
Vor acht Jahren hatte ich die großartige Gelegenheit, begleitet vom damaligen Generalvikar der Diözese Kottar Msgr M. Hieronymus, Südindien bereisen zu können. Tamil Nadu, wörtl. "Tamilen-Land", ist der südlichste Bundesstaat Indiens mit der Hauptstadt Madras, die neuerlich mit dem ursprünglichen Namen "Chennai" bezeichnet wird. Wer erstmals indischen Boden außerhalb touristischer Pfade betritt, wird von Eindrücken förmlich "erschlagen"; es sind dies Farben und Gerüche, Hitze und Staub, tosender Straßenlärm und ungeheuerliches Gebaren im Straßenverkehr, die Dichtheit des Gedränges auf den Wegen, die entsetzliche Nähe von jedem und allem, die Unmöglichkeit dem zu entfliehen. In der Fülle und Ungeheuerlichkeit der Eindrücke "glaubt das Hirn einfach nicht, was es erlebt", und das hat Folgen, zumindest bekam ich sie zu spüren. Die ganz normalen alltäglichen Stimmungsschwankungen gerieten wohl nicht aus dem Gleichgewicht, die Pendelausschläge des Gemütslebens aber nahmen zu an Stärke und Frequenz. Ganz zweifellos geriet ich in Gemütslagen, die manisch-depressiven Zuständen sehr nahe kamen. Und so erlebte und erlebe ich Indien auch heute noch in äußerster Intensität, nicht aber in der mir von zuhause her vertrauten Gelassenheit und Objektivität, eine Gegebenheit, die sich auch im Laufe der Jahre merkwürdigerweise nicht wesentlich geändert hat. Im Laufe der Zeit hat sich eine merkwürdige Leidenschaft meiner bemächtigt, einer Obsession schon durchaus ähnlich... Die o.g. Alltagseindrücke während meiner ersten Reise wurden noch verstärkt durch Begebnisse, durch Begegnungen mit Menschen, insbesondere mit Frauen in unglaublichsten, unwürdigsten Lebensumständen und -bedingungen. Im Besonderen die Begegnung mit einer Schwerstkranken (Tbc), deren Tod absehbar war und den ich dann unmittelbar miterlebte, führte, maßgeblich gefördert und unterstützt durch Seine Exzellenz HH Bischof Leon Augustin Tharmaraj und Prof. M. Hieronymus, zur Entstehung eines Hilfsprojektes für die Vergessenen, für die weitgehend rechtlosen und vernachlässigten Witwen. Vor Ort wurde mir geraten und ans Herz gelegt - wenn es denn wirklich meine Absicht wäre punktuell aber dennoch spürbar zu helfen - mich um Freunde und freundlich Zuhörende zu bemühen und sie um Spenden zu bitten für den Ankauf von Kühen. Denn, so wurde ich belehrt, eine Kuh ist in Indien ein enorm großer Besitz, denn sie kann mit ihrer Milch bis zu 5 Menschen erhalten... und so kam ich mit einer Idee nach Hause, trug sie vor in meinem Kollegium und fand spontane Begeisterung; der Kirchenchor von "Heilig Geist" (Schweinfurt) gab zu Ostern 2000 ein Benefizkonzert für diese Idee, die allmählich zum Projekt heranreifte und stadtbekannt wurde, und man bedeutete mir, dass hierfür ein Name nötig sei - "Kühe für Indien" sei wenig zugkräftig, ähnlich wie "Eulen für Athen", und so entsann ich mich des Namens meiner Gastgeberin in Madras, "Nirmala", ein indischer Mädchen- oder Frauenname der sehr häufig ist, ähnlich wie bei uns Lisa oder Sandra. Und da "Nirmala" klanglich sehr ansprechend ist, gab ich diesem Projekt den Namen "Überleben für Nirmala" wobei "Nirmala" steht für die von Hilfsprojekten weitestgehend übersehene indische Witwe . Anfänglich freute ich mich über die eingehenden Spenden mit denen ich die erste oder gar dann die zweite Kuh kaufen konnte. Dann riefen Leute - völlig fremde - sogar zu später Nachtstunde an, "ob man nicht noch ein Kuh kaufen könnte". Und heute sind es schon über 300 Kühe, ein Brunnen der über 50 Leuten gutes Wasser spendet, eine kleine Apotheke draußen im Outback, ein repariertes Schuldach, sogar eine kleine Siedlung am Rande eines Dorfes (10 Häuser!) kann unser Projekt an Erfolgen verbuchen. Mag sein, dass mein Versprechen, jeden auch noch so kleinen Geldbetrag vollständig und ohne jeden Abzug nach Indien zu überweisen, dass ich alle Nebenkosten aus eigener Tasche finanziere, so dass unsere Freunde drüben wirklich den vollen Betrag zum Ankauf der Kühe verwenden können, die Leute hier veranlasst, mir vertrauensvoll z.T. sehr große Geldbeträge auszuhändigen; letztlich begreife ich den großen Erfolg dieses Projektes selbst nicht ganz - auch nach Jahr und Tag erfreuen sich unsere Bemühungen sehr großer Beliebtheit. Und Vieles steht noch an und kann und muss bewältigt werden, so z.B. eine weitere Dispensary, eine kleine Allround-Apotheke mit direkter Versorgung für Kranke und Verletzte weit draußen im Outback, ein weiterer Brunnen in unserer
kleinen Stadt mit den 10 Häusern, und auch Einzelfallhilfen wie z.B. das Mädchen, dem in der Tsunami-Welle ein zerborstenes Holzstück das Fleisch von den Beinen geschlagen hat, und das noch immer unter schlimmen Schmerzen leiden muss und eigentlich keinen Tag seines jungen Lebens mehr hoffnungsvoll genießen kann. Und wenn Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren von "fremdewelten" meine Bestrebungen freundlich beurteilen sollten, so möchte ich Ihnen schon heute dafür herzlich danken. Johannes Königer
Ganz wesentlich für das Gelingen und zu für die durchaus beeindruckenden Erfolge dieses Projektes waren und sind die unermüdlichen Aktivitäten und bedeutenden Spenden des Frauenbundes der Pfarreien St.Anton/Maria Hilf.
Die mir vielfach ausgesprochenen Dankesbezeigungen der Betroffenen in Südindien gebe ich mit großer Freude weiter an die, die zuhören, sich berühren und anrühren lassen. Der Erfolg dieses Projektes ist in weitem Umfang zum "Selbstläufer" geworden, als losgelöst von irgendeiner Abhängigkeit von hier, und ist das Werk nicht einer Einzelperson, sondern Ergebnis der vertrauensvollen Zusammenarbeit Vieler.
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